Reifenmontage ohne Kampf
Der wichtigste Trick sitzt in der Felgenmitte
Der letzte Abschnitt eines Reifens kann sich anfühlen, als sei er schlicht zu klein. Meist ist er das nicht. Der entscheidende Punkt: Beide Reifenwülste müssen rundum in die Mittelrinne des Felgenbetts gedrückt werden.
Dort ist der Felgendurchmesser kleiner – und der Reifen gewinnt genau den nötigen Umfang.
Bei einer 622er Felge mit einer etwa 7 mm tiefen Mittelrinne gilt:
Umfang = π × Durchmesser
Durchmesser am Beadsitz: 622 mm
Durchmesser in der Mittelrinne: 622 − 2 × 7 = 608 mm
Gewonnener Umfang: π × (622 − 608) = ca. 44 mm
44 mm sind beim letzten Montageabschnitt der Unterschied zwischen „unmöglich“ und „geht mit zwei Daumen“.
Reifen aufziehen: So funktioniert es
Zuerst einen Wulst komplett montieren. Anschließend beim zweiten Wulst immer wieder kontrollieren: Alles, was bereits in der Felge sitzt, gehört in die Mittelrinne – nicht nach außen an den Beadsitz.
Wenn etwa zwei Drittel des Reifens montiert sind, nicht in der Mitte des noch offenen Abschnitts mit Gewalt ansetzen. Dort ist der Widerstand am größten.
Stattdessen den bereits montierten Teil mit dem Daumen in der Mittelrinne halten. Den Reifenheber dann direkt neben dem Übergang ansetzen, an dem der Wulst bereits in der Felge sitzt. Schrittweise weiterarbeiten. Das braucht deutlich weniger Kraft und schont Felge, Reifen und Hände.
Verwende stabile Kunststoff-Reifenheber mit ausreichend Hebel. Schraubendreher, Metallhebel oder rohe Gewalt sind eine ausgezeichnete Methode, um Felge, Reifen oder Schlauch zu ruinieren.
Tubeless: Wenn der Reifen nicht ins Felgenbett springen will
Auch mit Kompressor brauchen manche Kombinationen etwas Überzeugungsarbeit:
Ventilkern entfernen, damit möglichst viel Luft schnell in den Reifen kommt.
Reifenwulst und Beadsitz mit Wasser plus einem kleinen Tropfen Spülmittel benetzen. Das hilft dem Wulst beim Rutschen und späteren Einrasten.
Den Wulst vor dem Aufpumpen so weit wie möglich auf den Beadsitz setzen – oft gelingt das schon über etwa zwei Drittel des Umfangs.
Bei besonders störrischen Reifen den Reifen etwa 30 Minuten handwarm auf die Heizung legen oder in die Sonne legen. Ein warmer Faltreifen ist meist deutlich kooperativer.
Prüfen, ob Felgenband, Ventil und Reifengröße korrekt sind. Gerade ein zu breites oder verrutschtes Tubeless-Felgenband nimmt wertvollen Platz im Felgenbett weg.
Und noch wichtig: Ein lautes „Plopp“ kann normal sein. Prüfe danach trotzdem rundum die Kontrolllinie am Reifen. Sie sollte auf beiden Seiten gleichmäßig parallel zur Felge verlaufen.
Kraft ist bei der Reifenmontage fast nie die Lösung. Die richtige Position des Wulsts ist es.